Diese Geschichte wurde von Morgausse am 31.01.2010 geschrieben und am 05.02.2010 veröffentlicht.
Die Erwählung
„Anna! Herbei mit dir!“
Die Stimme der Herrin ließ Anna aufschrecken. Sie hatte sich in der kleinen Gesindekammer neben dem Rittersaal nur einen Moment hingesetzt, um sich auszuruhen.
Dabei war sie wohl eingenickt. Nun, es war ein heißer Sommertag; da konnte so etwas schon passieren. Doch jetzt mußte sie sich beeilen – Trödelei war etwas, was die Herrin haßte.
Anna stand auf, raffte ihren Rock und eilte zum Saal. Sie trat ein und sah die Herrin am Kopfende der Tafel auf dem Fürstenstuhl sitzen.
Natürlich – wenn der Graf nicht auf Schwarzenstein weilte, war seine Frau, die Gräfin Hildegund die unumschränkte Herrin auf der Burg. Und, wenn sie dem Gerede der Bediensteten Glauben schenken durfte, dann war sie auch während seiner Anwesenheit die eigentliche Herrin. Graf Heinrich war ein freundlicher Mensch und für seine Untertanen ein sanftmütiger Herrscher...
Sie war ja schon wieder in Gedanken!
Schnell machte Anna einen Knicks vor der Herrin und senkte in Ehrerbietung
ihr Haupt.
„Meine Herrin“ sagte sie, „wie kann ich euch dienstbar sein?“
Hildegund saß entspannt auf dem Stuhl des Fürsten.
Sie war wirklich eine stattliche Erscheinung – ihr langes, blondes Haar wallte in Wellen über ihre Schultern. Es reichte herab bis zu ihrem wohlproportioniertem Busen.
Das lange Samtkleid, in einem dunklen Rot gehalten, hatte oben eine eingearbei- tete Korsage. Diese schuf ein wundervolles Dekolleté und die Brüste hoben und senkten sich sichtbar bei jedem Atemzug.
Anna riskierte einen Blick in das Antlitz von Hildegund. Trotz der frühen Tagesstunde war sie schon geschminkt. Ihre ohnehin schon eindrucksvollen blau-grünen Augen wirkten durch die Umrahmung mit einem dunklen Strich noch größer. Lange schwarze Wimpern bewegten sich bei jedem Lidschlag.
Die Augenlider selbst waren ebenfalls dunkel geschminkt und verliehen ihr etwas Geheimnisvolles und Unergründliches. Die vollen Lippen dagegen waren in einem dunkelroten Ton gehalten...
„Was träumst du, dummes Ding! Mich dürstet! Bring mir Wein!“ riß sie
die Stimme der Gräfin aus ihren B...
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