Diese Geschichte wurde von Hofri am 13.11.2009 geschrieben und am 22.11.2009 veröffentlicht.
"Schön, daß Sie da sind," sagte Frau Hennicke und lächelte mich an. Ich bedankte mich für die Einladung, wir stießen mit unseren Cocktails an und tranken einen Schluck. Ich schaute mich um. So sehr ich mich im ersten Moment über ihre Einladung auf einen abendlichen Drink gefreut hatte, war ich zunächst doch etwas enttäuscht, als sie als Treffpunkt eine Cocktailbar nannte. Ich versuchte natürlich, mir nichts anmerken zu lassen - vor allem nicht, was ich mir wirklich erhofft hatte - und inzwischen war meine Stimmung auch wieder deutlich besser. Zum einen war die Bar tatsächlich ein sehr gemütliches Plätzchen, wo man sich in Ruhe und vor allem ungestört unterhalten konnte - zum anderen hatte sie mir inzwischen verraten, daß sie im selben Haus wohnt.
Dabei war die Einladung selber schon eine halbe Sensation. Frau Hennicke, die bei uns in der Firma zwar fachlich hoch angesehen war, aber menschlich eher als distanziert bis unnahbar galt, hätte unter normalen Umständen wohl niemals einen Kollegen zu einem Date nach Feierabend eingeladen. Sie wollte sich jedoch, erklärte sie mir fast entschuldigend, dafür bedanken, daß ich mit ihr die Nacht im Aufzug durchgestanden hatte. Wie konnte ich diese Nacht je vergessen! Ein Freitag, an dem wir beide ungewöhnlich lang gearbeitet hatten und den jeweils anderen erst bemerkten, als wir uns auf den Heimweg machten - bis der Aufzug in der Tiefgarage stecken blieb. Die an sich unangenehme Situation entwickelte sich zu einer ganz besonderen, als sie mir beichtete, vor dem Verlassen des Büros noch eine halbe Kanne Tee getrunken zu haben.
"Hallo - noch da?" unterbrach sie meine Gedanken. Ich riss mich zusammen. Wir unterhielten uns ein wenig, Smalltalk - darin hatten wir ja inzwischen Übung. Über die Bar, das Haus, wie lange sie hier schon wohnte, meine Wohnung, Hobbies. Wir schafften es erstaunlich lang, die Themen "Arbeit" und "Aufzug" zu vermeiden. Während wir uns unterhielten, schaute ich mir Frau Hennicke genauer an. Sie hatte ihre langen blonden Haare heute zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden - so sah ich sie zum ersten Mal, beruflich trug sie Haare meistens offen, selten mal hochgesteckt. Sie war dezent aber effektvoll geschminkt. Farben spielten bei ihr eine große Rolle, und so war es nicht verwunderlich, daß der Lip...
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